2004-04-17

Romania

Wir backen gerade wieder nachdem der naechtliche Regen aufgehoert hat. Torsty und ich konnten in unseren bisherigen zwei Hoteluebernachtungen nicht richtig schlafen. Autolaerm und schlechte Zimmerluft. Man gewoehnt sich viel zu schnell um seine Naechte zum Rauschen des Wassers, Prasseln des Regens, Vogelgezwitscher, Hundegebell, Hahnenkraehen, Kuckucksrufen und was es sonst noch so an Geraeuschen draussen gibt zu verbringen. Dazu noch ein guter "Charakteruntergrund", wie wir eine unebene Zeltflaeche nennen, und man schlummert wie ein Baby ;-)

Die Panorama Piste geht so schoen weiter wie sie angefangen hat und wir erreichen die Rumaenische Grenze. Ein Donaustauwerk. Der niedrige Wasserstand des Flusses vor dem Werk war uns bereits aufgefallen - nach dem Wetter der letzten Wochen haetten wir das anders erwartet. Des Raetsels Loesung ist der Staudamm: das Hinterland ist ueberflutet und das Teil sprudelt aus allen Fugen und arbeitet auf Maximalkapazitaet. Wir passieren die Grenze, aber nicht bevor der Grenzer uns nicht mehrfach auf seine Waffe hingewiesen hat nachdem wir versehentlich den falschen Ausgang angesteuert hatten. In Serbien haben sie mich in einer Wechselstube fast ausgelacht als ich nach rumaenischer Waehrung fragte, direkt an der Grenze bekommen wir zunaechst auch nichts, da uns der Typ, der tauschen wollte zu windig/unglaubwuerdig aussah. Ausserdem kannten wir den Kurs noch nicht und wollten uns nicht abzocken lassen. Also zur Bank und Kurs rausfinden. Dort stehen wir an einem Samstag Abend zwar vor verschlossenen Tueren, den Kurs erfaehrt man trotzdem: Fuer 1 Euro gibt es ca 40.000 Leu. Uns gabeln zwei Typen auf, die auf Englisch wissen wollen was wir brauchen. Anschliessend fuehren sie uns durch die Stadt und treiben jemanden auf, der 1:40.000 mit uns tauscht. Also gehen wir mit 400.000 Leu gefuehrt von unseren beiden Begleitern restmal shoppen. Sie warnen uns noch einmal ausdruecklich vor der Kriminalitaet in ihrem Land und besonders vor dem Bahnhof, der "Punk" Gebiet sei: "Your luck is running out." Sie verabschieden sich und wollen gehen, wir geben ihnen aber noch ein Dankeschoen Andenken mit - die ersten Edible Rock Fans in Rumaenien ;-)

Mit den Tauschkursen auf der Strasse ist so eine Sache... Aber letzten Endes koennen wir gar nicht wirklich verlieren. Erstens habe ich sowieso nur kleine Scheine dabei - bei einem schlimmstmoeglichen Tausch mit 100% Verlust also maximal 10 Euro verloren. Zweitens ist eh alles soviel guenstiger hier, dass selbst wenn alle zu unseren Ungunsten runden und wir nicht die einheimischen Preise zahlen wir uns immer noch freuen koennen gegenueber Deutschland gespart zu haben. Das gesagt, glaube ich wir haben uns bisher dennoch gut geschlagen und sind nicht grossartig beschissen worden.

Zwei Kiddies fahren uns mit ihren Mountainbikes hinterher und quatschen uns auf unsere Raeder an. Der eine ist Fachmann und kennt die ganen Komponenten. Ein witziges "Gespraech" entsteht. Versucht mal mit jemandem ueber Fahrradtechnik zu fachsimpeln, wenn sich euer gemeinsamer Wortschatz auf die Markennamen der Hersteller beschraenkt ;-)

Im Land treffen wir einige Granzpolizeiwagen und and der Grenze selbst liefen auf beiden Seiten mit automatischen Waffen ausgestattete Soldaten im Gelaende herum. Scheinbar ist irgendwas im Busch.

Nach all den Vorurteilen und Warnungen, die ich bisher zu Rumaenien zu hoeren bekommen habe muss ich nach den ersten 30km im Land sagen, dass ich hoechst positiv beeindruckt bin. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Die Strassen sind in gutem Zustand und vor allem sauberer als in Serbien (und das nach dem Spruch eines Oesterreichers: "Zum schwarzen Meer?! Dann kommt ihr ja durch Rumaenien! Ich weiss nicht, ob die da Strassen haben."). Autos ueberholen wieder ruecksichtsvoller und noch hat niemand gehupt (Danke! Das nervt dermassen... erst Recht, wenn der Fahrer dann grinsend und winkend am Steuer sitzt und nen freundlichen Gruss zurueck erwartet. Ich hab mir nicht selten ne scheibensprengende Fussballtroete als Antwort gewuenscht). Die Menschen sitzen auf Baenken an den Strassenraendern, quatschen und geniessen den Abend. Pferdefuhrwerke sind regelmaessig im Verkehr unterwegs. Wenn man sie gerade mal nicht live sieht weiss man doch, dass es sie geben muss wegen der vielen Hinterlassenschaften auf dem Asphalt.

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