2004-04-15

Serbia

Nachdem der naechtliche Regen aufhoert haben wir einen wunderbaren Tag mit bestem Wetter. Zwar starker Gegenwind aber man kann ja nicht alles haben ;-) Wir fahren durch schoenste Landschaften, huegelig, duenn, aber nicht mehr so arm, besiedelt; mit perfekten Aussichten ueber den Fluss und die Umgebung. Die Pflanzen freuen sich ueber den vielen Regen der letzten Zeit und die jetzige Sonne und alles gruent und blueht.

Auf dem Kirchplatz essen wir unseren mittaeglichen Snack (n Laib Weissbrot fuer jeden), als wir von nem Mann ziemlich aufdringlich und unangenehm angeschnorrt werden. Ihm fehlt ein Bein und er faselt was von Bosnien. Als wir ihm nicht so viel geben wie er haben will bedient er sich einfach. Wir schicken ihn dann sehr bestimmt und mittlerweile ziemlich unfreundlich weg. Kurz darauf kommt ein alter Mann zu uns, mustert uns und unsere Raeder pruefend und meint dann Torsty und ich seien zu duenn, Barty aber stark. Ausserdem sei Weissbrot nicht das richtige fuer unsere "Konstitia" - wir sollten doch lieber mal n anstaendiges Steak essen. Anschliessend bettelt uns noch ein Strassenkind an, das aber von ner Frau weggeschickt wird.

Ich finde es verdammt schwierig Laender wie dieses anstaendig zu bereisen. Der Kontrast zwischen unserem Reichtum und der offensichtlichen Armut der Menschen hier ist schwierig zu ueberbruecken bzw damit umzugehen. Da sind wir mit unserem top equipment zu unserem Vergnuegen hier. Ich sinnier ueber Dinge wie mein Traumhaus und freu mich ueber guenstiges Essen (Brot = 25 Dinari, 70 Dinari = 1 Euro) waehrend viele hier kaum ein Dach ueber dem Kopf haben und Hunger. Was tun? Was denken? Permanent schlechtes Gewissen haben? Unser Geld verschenken? Woanders reisen? Keine Ahnung, abre ich gruebel viel darueber... auf jeden Fall ist mir oft die Lust am fotografieren vergangen. In solchen Situationen dann auch noch die Kamera draufzuhalten ist geschmacks- und ruecksichtslos. Wir radeln aber auch durch wohlhabende Orte (US Steel ist mit ner dicken Fabrik der Arbeitgeber Nr 1) und richtige Villenviertel.

Irgendwann ueberholt uns ein Auto. Spaeter steht es am Strassenrand, der Fahrer ist ausgestiegen und versucht uns anzuhalten mit den Worten "Halt! Passkontrolle!". Wir ignorieren ihn und fahren weiter. Gefaehrlich sah er nicht aus, aber keiner von uns hatte Bock sich verarschen zu lassen oder auf grosse Konversation. Wuerden wir uns da auf jede einlassen kaemen wir gar nicht mehr vorwaerts. Zumal wir ueberall angesprochen werden: aus fahrenden Autos, an Bushaltestellen, an Ampeln, aus Geschaeften heraus - wo immer Menschen sind... Gespraeche sind wegen der Sprache schwierig und muehsam, obwohl Barty mit Polnisch meist einige Worte verstehen und mitteilen kann. Die juengeren Leute sprechen oft auch Englisch oder Deutsch. Im Endspurt den Berg hoch (wir haben ein traumhaftes Lager mit Blick ueber die Huegel) schaltet Barty seine zweite Kette kaputt und baut sie auch noch falsch wieder zusammen - Frust! Wir haben zwar noch eine letzte Ersatzkette, aber ab hier wirds schwer weiteren Ersatz zu bekommen und ich hab ja noch n paar Russland Kilometerchen vor mir...

Geiler Sternenhimmel - keine Wolken! Yeah! Wir liegen im Zelt und stellen fest, dass keiner von uns dreien mehr weiss, welcher Wochentag ueberhaupt ist - LOL!

Next Entry