2004-04-10

Slovakia, Hungary, Croatia

Nach 36 Stunden Dauerregen (und es sieht nicht so aus als wuerde es jemals wieder aufhoeren - es ist alles grau in grau) haben wir uns erstmal in einem leerstehenden Haus kurz hinter der Ungarisch Kroatischen Grenze verkrochen und versuchen unsere Sachen zu trocknen. Bei solch ausdauerndem Regen helfen selbst die besten Gore Tex und Sympatex Klamotten und Neopren Ueberschuhe nichts mehr... Zumal die LKW Druckbetankung von der Seite ihr uebriges leistet (fahrt mal im Regen auf dem Seitenstreifen einer Fernstrasse und lasst euch von nem LKW in weniger als nem halben Meter Entfernung ueberholen - das haut euch erstens von der Strasse und gibt einem zweitens ne Ganzkoerperusche). Apropos Fernstrasse. Nachdem wir in Oesterreich von wunderbar frisch asphaltierten Radwegen in malerisch schoenen Donautaelern komplett ohne Autoverkehr verwoehnt wurden mussten wir spaeter in der Slowakei auf eher langweilige, aber ruhige, Daemme ausweichen und in Ungarn dann auf besagte Fernstrassen. Da waren mir die mit losem Kies befestigten und sehr anstrengend zu fahrenden Deiche in der Slowakei eindeutig lieber als die Strassen. Das gipfelte in Budapest auf einem achtspurigen Stadthighway auf dem wir todesmutig in diesen Moloch von Stadt einrollten. Unser erhofftes Treffen mit nem einheimischen Bekannten fiel wegen Kommunikationsschwierigkeiten im Vorfeld leider aus, und so schlaengelten wir uns auf eigene Faust durch die City. Faengt zunaechst wenig vielversprechend mit endlosen Reihen haesslichster Betonplattensiedlungen an. Diese werden aber unvermittelt unterbrochen durch so Dinge wie die Ruinen eines alten Kollosseums in dem dann Kinder Frisbee spielen (Fuer aehnlich spektakulaere Mauerueberreste und Ausgrabungen haetten wir uebrigens im oesterreichischen Carnuntum 7 Euro Eintritt zahlen muessen!). Oder eine Kirche ist in die Wohnblockreihen eingemauert. Komplett umschlossen, nur noch das hintere Ende guckt aus dem Beton. Seine schoene Seite zeigt Budapest dann abends am Fluss, der auf beiden Seiten von hell angestrahlten Prachtbauten gesaeumt wird. Es gibt sogar einen Radweg, aber auch der ist beidseitig von verkehrsreichen Strassen eingeschlossen. Extremsport Radwegbenutzing erreicht in Ungarn sowieso neue, ungeahnte Dimensionen. Die Wege haben die Eigenschaft unvermittelt vor Fahrradverbotsschildern zu enden oder man faehrt ploetzlich ne Treppe runter oder faellt in ein Loch im Asphalt. Der ist sowieso lustig hier - mit Spurrillen so tief, dass man mit den Pedalen aufsetzt, wenn man in einer faehrt. Entsprechend hatten wir auch die ersten beiden Platten auf Tour: Torstys Hinterrad durch nen Nagel, mein Vorderrad durch nen Glassplitter.

Ach ja, ich in meiner Eigenschaft als Geographiegraupe schrieb letztes Mal was von wegen wir wuerden durch Slowenien radeln. Gemeint war natuerlich die Slowakei. Frau Joerling moege mir verzeihen (duck and run...). Ich hab sowieso schon fast ein schlechtes Gewissen wie leicht man es als deutscher Reisender hat. Ich bin wirklich absolut ignorant unterwegs, plane die Route spontan mit einer 1:2.500.000 (!!!) Europa Karte und nach Himmelsrichtung an der Donau entlang. Wir haben noch nicht einen Cent in irgendeine einheimische Waehrung wechseln muessen. Unser Plastikgeld wird auch genommen. Ein einziges Mal mussten wir unsere Einkaeufe zahlungsunfaehig an der Kasse zuruecklassen, da dem Laden das Lesegeraet fehlte. In dieser Beziehung will ich meinen Reisestil aber gerne noch aendern, um wieder die kleinen, spannenden einheimischen Laeden nutzen zu koennen statt nur die grossen Supermarktketten (Plus und Spar sind hier gross). Und keinerlei Sprachkenntnisse oder Sprachfuehrer zu besitzen ist auch nicht so dramatisch, da sowieso alle Welt deutsch spricht und sogar viele Schilder deutsche Beschriftungen haben. Schon ein merkwuerdiges Gefuehl so privilegiert zu reisen... Wo man das noch deutlich merkt ist an den Grenzen. Torsty und ich mit unseren deutschen Paessen werden nur durchgewunken, waehrend Barty als Pole immer einige Fragen ueber sich ergehen lassen muss. Am spannendsten war bisher die kroatische Grenze. Wir sind woertlich in einer Nacht und Nebel Aktion (dunkel, Regen, Nebel) da angekommen. Ich begeh auch noch den Fehler und mach ein Foto von uns dreien in der Tabu Zone zwischen den beiden Grenzstationen und schon muessen wir ne Weile quatschen. Unsere Stempel kriegen wir, aber nicht bevor sich nicht ein Vorgesetzter und ein paar andere Beamte unseren bisherigen Weg auf der Karte haben zeigen lassen und ein paar Kommentare ueber unsere Art zu Reisen fallen ;-)

In der Slowakei treffen wir die ersten anderen Reiseradler on tour. Eine komplette Familie aus Deutschland, die aufgebrochen waren, weil die Tochter meinte, sie muesse mal ungarischen Honig probieren. Also Osterferien genutzt, nach Wien und von da mit den Raedern los - thats the spirit! Schoene Reise noch!

Ausserdem gabs deutsche Leistungssportler aus der Leichtathletik Bundesliga im ungarischen Trainingslager an Thermalquellen. Autsch! Gegen deren Trainingsprogramm sind wir Memmen und Weicheier. Obwohl der eine Triathlet mit seinem 6,7kg Rennrad auch gut Reden hat gegen meinen 52kg Trecker. ;-)

Waehrend Torsty und ich in einem Mega Einkaufszentrum (56 Kassen und so voll, dass man kaum durchkommt) shoppen lernt Barty draussen bei den Raedern ein bisschen Ungarisch. Oder versucht es zumindest - es entsteht eine ziemlich amuesant zu beobachtende "Konversation" aus deutschen, englischen, polnischen und ungarischen Sprachfetzen und vielen Handzeichen.

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