2004-07-06

Norway

Gestartet wird mit 50m Sicht, matschigem Schneeregen und 1C. Die letzten knapp 700hm bis zum Gipfel sind ein lauer Spaziergang, die nur dadurch anstrengend und gefaehrlich werden, dass ich mich der guided Tour angeschlossen habe. Nie wieder! So wie es ist bin ich ins Seil eingebunden zwischen plaerrenden Kindern und einer Gruppe altersschwacher Japaner, von denen einer sogar nen Gipsfuss hat. Aetzendes stop and go ist die Folge (mehr stop als go).

Der Gletscher mag zwar den Namen "gemeiner Gletscher" tragen, und neben dem Preisschild fuer die Guides ein drohender Zeitungsausschnitt von einem in einer Spalte verunglueckten Tourist haengen, aber den ausgetretenen Highway durch den Schnee haette ich auch allein gefunden, danke.

Naja, wenigstens lerne ich so drei nette Frankfurter kennen und als es endlich ohne Seil wieder auf die Felsen geht lassen Pascal und ich froehlich palavernd die halbe Meute Omis und Kinder zurueck. Vielleicht sollten die Gruppen an einem Seil doch etwas homogener zusammengestellt werden. Pascal ist uebrigens in Jogginghose und Turnschuhen unterwegs waehrend alle anderen die volle Outdorr Kampfausruestung tragen.

Der Gipfel (2469m) ist unspektakulaer, aber wenigstens klart es auf dem Weg nach unten auf und die Aussicht wird gut. Die Killerstrasse gestern darf ich heute bergab fahren - und Hoelle! ist das ein Ritt. Sobald ich die Bremsen loslasse bin ich ueber 70km/h schnell und beschleunige immer noch. Mir fliegen die Traenen aus den Augen bis ich kaum mehr sehen kann und auf dem Wellblech vor den ungesicherten Serpentinen ist Bremsen jedesmal ein Abenteuer. Noch schneller waere moeglich gewesen - aber ein kleines bisschen haenge ich dann doch noch an meinem Leben. Auch so sind es auf 380m Hoehe am Fuss der Strasse diesmal meine Bremsen, die stinken.

Kaum unten fahre ich schon wieder eine Steigung - diesmal zur hoechsten Passstrasse in Nordeuropa, die zum tiefsten und laengsten Fjord Europas fuehrt (die moegen hier die Superlative auf ihren Hinweistafeln). Der Wind, der eben noch die Wolken vertrieben hat, ist jetzt gegen mich. Das ist mir diesmal aber nur recht, da ich eh sehr bald auf einem wunderschoenen Rastplatz mein Lager aufschlage, und er mir hilft, meine klatschnasse Ausruestung zu trocknen. Ich sitze und esse als neben mir noch zwei ihr Lager aufschlagen. Polnische Brueder, der eine lebt in Norwegen, der andere ist mit Fahrrad und Kamera(s - er hat ein ganzes Sortiment dabei und macht Bilder fuer Diavortraege) zu Besuch. Nettes Palaver und viele Fotos: rower.orbit.pl

Danach kommt noch ein junges niederlaendisches Paerchen hinzu, sie cruisen mit dem Auto durch Norwegen auf der Suche nach irgendeinem Bueffel artigen Tier, das wohl nur an zwei Stellen in ganz Europa zu finden ist. Ich will gerade Schlafen gehen, da bekomme ich von den Bruedern noch einen polnischen Honig Likoer geschenkt - gegen die kalte Nacht. Dankeschoen! ;-)

Und shit! Ich hab schon wieder vergessen Fotos von ihnen zu machen. Passiert mir immer. Ich bin immer so in irgendwelche Gespraeche vertieft, dass ich voellig vergesse Bilder zu machen - selbst wenn ich gerade geknipst werde. So zeigen meine Urlaubsfotos denn nur Berge und Landschaft. Naja, egal nehme ich an - vergessen werde ich all die Menschen eh nie, die mich auf dieser Reise mit ihrer Freundlichkeit so reich beschenkt haben.

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