2004-07-22

Scotland

Es ist nur leicht windig und die Viecher treiben mich halb in den Wahnsinn. Ich hab ja schon einiges erlebt und ueberlebt aber das hier toppt alles. Nicht einmal die Mueckenschwaerme in den Suempfen Canadas koennen da mithalten. Meine Nase sitzt voll mit den Dingern und in den Ohren summt und krabbelt es. Jeder Quadratzentimeter Haut an Armen, Haenden, Beinen und im Gesicht ist rot und geschwollen. Ich schmeiss all meinen Krempel ins Zelt und fluechte bergauf.

Ich attackiere die Flanke des Berges direkt querfeldein. Hat nen Effekt wie Treppensteigen, nur dass diese Treppe fast 1000m hoch ist, die Stufen mir entgegengeneigt sind und man wie mit Klettverschluessen unter den Sohlen laeuft: entweder geht es durch schmatzenden Sumpf, oder kniehohe, hoelzerne Bodendecker. Aber Gott sei Dank wird es stuermischer je hoeher ich komme.

Es regnet. Es ist eine Sache, die Wolken von unten mit irrer Geschwindigkeit ueber sich herrasen zu sehen, eine ganz andere da mittendrin zu stehen. Das ist ein Schauspiel! Auf dem Gipfel zeigt man Hoehenmesser statt der korrekten 961m nur 931m. Das ist ein gutes Zeichen, der funktioniert barometrisch, und wenn ich Hoehe verliere ist der Luftdruck gestiegen und das Wetter wird besser. Und tatsaechlich, es klart auf und die Aussicht wird fantastisch. Ich verliere eine Plastiktuete. Nun bin ich der letzte, der Muell einfach in der Landschaft herumliegen lassen wuerde, also will ich sie einsammeln. Nur das ist in diesem Falle leichter gesagt als getan: das Teil steigt vom Winde getragen immer hoeher, haelt sich eine geschlagene halbe Stunde (wirklich! ich hab auf die Uhr geguckt) ueber den Wolken, bevor sie dann in hohem Bogen den Weg ueber das Tal antritt. Die wird wohl jemand anders entsorgen muessen. Immerhin hab ich jetzt ein Foto von der Tuete, die hoch hinaus wollte.

Ich steige ab und reisse von Nasties verfolgt fluchtartig das Lager ab. Den ganzen Tag heute hatte ich nur einen Liter Cola und eine Packung Kekse als Energieversorgung, nach 15km aufm Fahrrad krieg ich ernsthaft Hunger. Ich setze meine Hoffnung auf das Oertchen Hope, das entpuppt sich aber als eine Siedlung bestehend aus ganzen drei Bauernhaeusern. Also beende ich den Tag bereits nach 46km und rette mich mit meinen Reservenudeln. Ich habe ein traumhaftes Camp hoch ueber einer Meeresbucht, in einer Richtung Blick ueber den Atlantik, in der anderen die Bucht und Berge - und das Beste: keine Nasties!

Mein Versorgungsengpass aergert mich, da ich so gezwungen war an Ben Hope, einem weiteren 1000er einfach vorbeizufahren. Eigentlich waere ich da gerne auch noch hochgelaufen. Auffaellig: an den Strassen stehen "caution lambs" und "Achtung: Laemmer auf der Strasse" Schilder. Peinlich. Sind wir Deutschen mal wieder so bloed, dass wir eine extra Behandlung benoetigen?

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