2004-09-06

France

(Richard:)

Glueckselig sank ich nach Abendessen und den Mega Wellen ( so geil hatte ich mir das nie vorgestellt! Unfreiwillige Rueckwaertssalti unter Wasser - oh yeah! ) in tiefen Schlaf, auch wenn es eigentlich viel zu warm war. Mitten in der Nacht wurde ich wach und wunderte mich, wie sehr das Zelt wackelte. Einige dunkle Wolken waren aufgezogen und es war deutlich kaelter geworden. Verschlafen standen wir auf um dann doch vielleicht mal das Ueberzelt aufzubauen. 5 Minuten spaeter klammern wir uns verzweifelt an die Zeltplane und sind froh, wenn uns die Heringe nicht wegfliegen. Naechstes Problem war es, dass Ueberzelt im Sandboden mit Heringen festzumachen - ein Ding der Unmoeglichkeit bei dem Sturm. Nur mit Soerens Hilfe, Sturmleinen und halben (naja viertel) Baumstaemmen als Heringen gelang es uns das Zelt einigermassen sturmsicher zu machen.

Morgens war das ganze ein uriger Anblick: Fahrraeder als Windbrecher, herausgerissene Heringe, Ortlieb Taschen zur Zeltstabilisierung und saemtliche Fussspuren vom Vortag verwischt. Leider hatten wir keine Nahrungsmittel mehr, also kein Fruehstueck. Ich versuchte einen fruehen Aufbruch zu initiieren, packte meine Sachen aufs Fahrrad und ging zum Spuelen zum Meer - wir hatten ohnehin nur noch 1 Liter Suesswasser als Gesamtvorrat.

Ich bereute es schnell, in meinen Radsachen gekommen zu sein, da diese durch hohe und unberechenbare Wellen schnell durchnaesst waren. Zum Spuelen eignete sich der hohe Wasserdruck und die Sandreibung hingegen sehr gut. Dann tauchte Paparazzi Anna auf, schoss wahllos Fotos, verbreitete Stress und triezte mich solange, bis wir gemeinsam nackt in den Atlantik sprangen - von einem menschenleeren Sandstrand aus wohlgemerkt.

Die Fahrt zum Fruehstueck war unangenehm: Hunger, heiss, uebermuedet, immer wieder Enttaeuschung, weil die Stranddoerfer keinen Supermarkt hatten. Wie in Trance radelte ich, den Blick nur auf die 5 Meter vor mir gerichtet, stumpf und dumpf voran. Koerperliche Anstrengung verbunden mit Hunger macht aus gestandenen Menschen vermutlich wirklich unzurechnungsfaehige Halb-Wahnsinnige? Nach 25km ist dieser Zustand erreicht, zumal wir wieder einmal in einem Stranddorf stehen, dessen einziger Supermarkt fuer immer geschlossen hat.

Entnervt gehen wir folglich fuer gutes Geld essen. Alles laeuft typisch suedlaendisch "zaeh wie Kaugummi" ab und wir sind froh als wir unsere Hauptmahlzeiten und Eisbecher verzehrt haben. Wirklich satt bin ich wie am Abend des Vortags aber immer noch nicht.

Wir treffen ein deutsches Reisepaerchen samt 20 monatigem, weiblichen, Anhang und kommen ins Gespraech. Erwartungsgemaess sind die beiden alte Hasen, die sich mittels Alaska-Feuerland Route u.ae. bereits die Hoerner abgestossen haben und jetzt mit dem Kind nur noch nach Lust und Laune Hin und Her duempeln. Neidisch sind sie aber dennoch, besonders auf Soeren. Wir unterhalten uns noch nett, sie geben Tipps und Empfehlungen zur Afrika Durchquerung und verabschieden sich dann. Coole Leute waren das, vor allem ein dickes RESPEKT fuer die Reise mit Kleinkind.

Wir gurken weiter und ich male mir aus, was wir im naechsten grossen Supermarkt alles kaufen werden. Anna und Soeren sind zu meinem Missfallen allerdings im Duempel Modus und halten an einem Weinstand und spaeter noch an einem Badesee (Anm Soeren: _in_ einem Badesee!). Der Weinstand soll wohl sehr lustig gewesen sein und angeblich habe Soeren den Unterschied zwischen 2 Jahrgaengen schmecken koennen, sowie einen Wein erstanden, von dem man sich nicht direkt schuetteln muss... Nunja.

Irgendwann mal kommt dann auch der langersehnte Supermarkt und ich kann mich satt essen! Ein Hoch auf die Konsumgesellschaft! Danach verfahren wir uns noch und verlieren den Radweg und campen schliesslich in Anbetracht der spaeten Stunde mitten auf einem Waldweg. Thought of the day: Frankreich scheint keine ausgepraegte Raucherkultur zu haben: kaum Kippen, keine Zigaretten im Supermarkt, keine Zigarettenautomaten. Sehr angenehm!

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