2004-09-09

France

(Richard:)

Morgens besteht Anna auf eine Wiederaufnahme des Body-Float Anfaengerkurses als Bestandteil ihres Kanadavorbereitungs-/fitness Programms und wir stuerzen uns wieder in den Fluss. Leider bleiben technisch aber signifikante Maengel zu beanstanden ( Fuesse, nicht Po, tiefster Punkt ).

Nachdem wir bei der ueberaus korrekten Campingplatzbesitzerin wieder einmal Postkarten und Briefmarken erstanden haben, brechen wir auf Richtung Holzarte Canyon. Offenbar werde ich auf diesem Weg meines Spitznamens Trekking Turtle wuerdig, weil Anna mir im Nachhinein erzaehlte, dass sie immer gewartet haette, um mich dann zu ziehen, ich aber einfach immer in gewohnt langsamer Geschwindigkeit weiter gefahren sei.

Der Weg zum Trail Einstiegspunkt ist weiter als gedacht und ich langsamer als gedacht, so dass wir erst um 1630Uhr mit dem Hike beginnen, der uns mit 4 Stunden Laufzeit angekuendigt wurde. Zu allem Ueberfluss hatten wir noch kein Abendessen/Fruehstueck eingekauft ( grr @ Oeffnungszeiten ). Auf den ersten 2km kommen uns etliche Wanderer entgegen, die schon wieder auf dem Rueckweg sind und machen uns mal wieder klar, dass wir mit gehoerigem Abstand die letzten sind, die aufbrechen. Highlight des Trails ist eine Haengebruecke ueber einen Monstercanyon, die auch auf diversesten Postkarten in Szene gesetzt wurde. Erst 1906 entdeckt, der Canyon...

Auf der Haengebruecke befindlich setzt bei mir wieder dieses komische Gefuehl in der Magengegend ein, dass mich regelmaessig warnt, wenn a) ganz viel Luft unter mir oder b) ein ganz steiler Abhang neben mir ist. Folglich verweile ich nicht ganz so lange auf der Bruecke und trotte voran. Trotten ist da auch das richtige Wort, weil sowohl das Radfahren als auch das Hiken eindrucksvoll meine Turtle-Natur unter beweis stellen. Waehrend Anna und Soeren voranzischen und Pausen machen, um mich ab und zu auch mal zu sehen, stapfe ich Stampfer fuer Stampfer fast die gesamte Strecke von 15km und 1940hm in einem durch. Bislang habe ich niemanden gefunden, der genauso schnell oder gar langsamer als ich wandert! Letzteres saehe bestimmt aus wie ein Mensch in Slowmotion... ( Anm Soeren: der Herr uebertreibt hier ein "bisschen" )

Derart philosophierend bin ich irgendwann dann ueberrascht auf einem Berg zu stehen, der von einer Monster-Schafsherde bevoelkert wird. Ich bin zudem ueberrascht, dass 1.) Schafe auf Berggipfeln gehalten werden 2.) diese zuverlaessig 9mm Kopfrasur der Berge herstellen und sie 3.) nicht auf mich, ihren Meister, reagieren und alle zusammenkommen.

50 Meter tiefer trifft man dann auch Pferde und Kuehe - faszinierend. Ebenso verwunderlich ist die Bebauung: Haeuser in luftigen Hoehen, an steilen Abhaengen und ohne Strassen - wie macht man das? Auf dem Weg runter machen Anna und ich uns um den zurueck fallenden Soeren Sorgen. Er koennte vor lauter Brombeerkonsum geplatzt sein oder einem der gemein-gefaehrlichen Pyrenaen Baeren auf Nahrungssuche zum Opfer gefallen sein... oder aber selbst zum Pyrenaen Baer mutieren... Trotz der am Ende erheblichen Dunkelheit und der hypnotischen Wirkung der Brombeerstraeucher auf meinen pelzigen Bruder kommen wir heil unten an.

Zum Glueck gibts am Fusse des Bergs/Trails eine Touri-Ausbeut-Station (O-Ton Anna), so dass wir belegte Baguettes (franzoesische Sandwiches) bekommen koennen, die zwar teuer und alt sind, aber dafuer den groebsten Hunger stillen. Nachtfahrt ohne eigenes Licht wirkt auf mich spontan sehr unsympatisch, aber zum Glueck kommen wir schnell an einem ausgedehntem Rasen/Kies/Randstreifen vorbei an dem ein wild campendes Wohnmobil steht. Wie der Zufall es will werden dessen Insassen von uns unabsichtlich geweckt, diese sind Deutsche und dazu noch nett und stellen ihre Autobeleuchtung an, damit wir besser aufbauen koennen. Rechtzeitig zum einsetzenden Gewitter sind wir fertig. Manchmal ist es eben doch gut, dass es so viele Menschen gibt!

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