2004-09-14

France

(Sören:)

Wir starten ( diesmal zu humaner Zeit so gegen 1100Uhr ;-) ) zu einem weiteren Hike. Es geht steil bergan durch ein schmales, felsiges Tal, durch den sich ein kleiner Gebirgsbach eine tiefe Schlucht gegraben hat. Nach ca 700 Hoehenmetern Wanderung kehren Richy und Ann um zurueck ins Lager. Richy war nach der gestrigen Tour noch nicht wieder 100Prozent fit und der Weg vielleicht etwas zu steil, zu oft ausgewaschen, zu nahe am Abgrund und die Sonne mit mehr als 30C zu gnadenlos.

Ich gehe alleine weiter und erreiche keine 100m hoeher nachdem wir uns getrennt haben den einsamen Bergsee, der unser eigentliches Ziel war. Einsam ist nur fast richtig, da ich, sobald ich meinen Proviant auspacke, von drei Pferden aufdringlich belaestigt werde. Sie umzingeln mich, knabbern das Salz von meinen Klamotten und versuchen mich zur Seite zu schubsen, um an mein Essen zu gelangen. Keine Manieren!

Der See reicht mir nicht, deswegen steige ich weiter auf bis zum Grad. Fantastische Aussicht. Wie gestern darf ich wieder ein paar Murmeltiere und Adler beobachten. Aber auch hier mache ich nicht halt sondern klettere weiter bis auf den hoechsten erreichbaren Gipfel. Der ist diesmal sehr beeindruckend - mit senkrechten oder gar ueberhaengenden Felswaenden und steilen Geroellfeldern. Gestern stand ich auf dem Pic Hourquette mit 2384m, heute ist es der Pic Gazies mit 2457m.

Ich bleibe eine ganze Weile dort oben und geniesse einfach nur da sein zu duerfen. Die Berge und der Pyrenaen Nationalpark sind ein einziger Traum. Ich moechte am liebsten wochenlang hierbleiben und alle Gipfel besteigen. Aber meine Haende machen mir zunehmend Probleme und ich muss dringend zum Arzt. Erstmal muss ich jedoch dringend vom Gipfel wieder runter.

Eigentlich hatte ich vorgehabt ueber den Grad zu klettern und einen Gipfel nach dem anderen plattzumachen, aber ich traue dem Wetter nicht so ganz. Es ist zwar nach wie vor sonnig bei 28C, aber es wird immer windiger und Wolken ziehen auf. Also suche ich mir querfeldein ( ich hasse es denselben Weg mehrfach gehen zu muessen ) eine moeglichst rasante Abstiegsroute. Die meiste Strecke lege ich halb joggend zurueck und erreiche so nach 1200hm kaum eine halbe Stunde nach Richy und Anna das Camp. Die hatten sich Zeit gelassen mit dem Abstieg und unterwegs noch mit einem deutschen Paerchen gequatscht. Die einzigen anderen Menschen, die ich unterwegs sah, waren ein Angler ( wie kommen die Fische eigentlich auf ueber 2000m? ) und ein Schaefer mit seinem Hund. Die beiden waren dabei eine Schafherde einen unmoeglich steilen Hang hochzutreiben in eine Felsschlucht ohne erkennbaren Ausweg. Meine Theorie ist, dass er die gesamte Herde auf einmal mit einem Steinschlag toeten will um die Versicherung zu betruegen. Anders kann ich mir das seltsame Verhalten nicht erklaeren ;-)

Ich tat gut daran frueh abzusteigen, denn kaum bin ich im Lager steigt aus dem Tal dichter Nebel zu uns herauf und bald darauf betraegt die Sicht weniger als 100m.

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