2004-05-17

Lithuania

Die Schaefchenwolken from outer space scheinen ihre Invasionsplaene zunaechst auf Polen zu beschraenken - zumindest ist mit Grenzuebergang nach Littauen schlagartig blauer Himmel so weit das Auge reicht. Und das scheint ueber die flache Weidelandschaft bis in die Unendlichkeit zu sein. Waehrend zwei Stunden Fahrt ins Landesinnere kommen mir nicht weniger als 47 leere Autotransport LKW entgegen, alle Richtung Sueden, polnische Grenze. Ich ringe meine Kilometer wieder muehsam dem Wind ab, und als ich in einem kleinen Waldstueckchen mein Lager aufbaue bin ich dementsprechend fertig.

Dummerweise habe ich genau den Heimweg eines betrunkenen Bauern gewaehlt. Dieser textet mich eine geschlagene halbe Stunde zu. Deutsch, Englisch, Franzoesisch kann er nicht, Zeichensprache will er offenbar nicht und den angebotenen Block und Stift lehnt er auch ab. Mein Littauisch laesst stark zu wuenschen uebrig. Irgendwann wird es mir zu doof, es daemmert, die Muecken kommen und ich hab Hunger. Also setz ich mich hin und fang an zu kochen. Er guckt sich das ne Weile interessiert an, trinkt weiter aus seinem Flachmann und bietet mir sogar auch etwas an. Ploetzlich tritt er mir das fast kochende Wasser ueber die nackten Fuesse und mir danach mit seinem schweren Arbeitsstiefel voll ins Gesicht. Trotz meiner Ueberraschung und der aufkommenden Schmerzen gelingt es mir sowohl den noch brennenden Kocher, der jetzt fast unter meinem Zelt liegt, zu loeschen, als auch weiteren Schlaegen auszuweichen. Ich stecke mir noch unauffaellig das Kuechenmesser in die Tasche und stehe ihm endlich gegenueber. Einen Faustschlag krieg ich noch ins Gesicht, aber in dieser Situation Mann gegen Mann bin ich ihm in so ziemlich jeder Hinsicht ueberlegen, nuechtern vs besoffen gleich doppelt. Ich mache jedoch keinerlei offensive Geste oder Handlung, sondern weiche ihm nur aus und pariere seine Schlaege. Das wird ihm zu bloed und so schmeisst er meine Wasserflasche nach mir, wohl in dem Glauben, sie sei aus Glas. Ich lege mein eigenes Zelt flach, mit den Wertgegenstaenden und meiner aus dem Gesicht getretenen Brille darin, in der Hoffnung, dass der Kram dadurch als moegliches Ziel nicht ins Auge faellt. Ich gestikuliere beschwichtigend auf ihn ein und versuche, ihn vom Fahrrad wegzulocken. Es gelingt mir, ihm klarzumachen, dass ich ihm Geld geben will, damit er verschwindet. Scheinbar war das von vorneherein sein Ziel und so laesst er mich machen. Ich lasse alle bis auf einen Schein aus meiner Patte verschwinden und gebe ihm diesen. Er kontrolliert ihn kurz, will mir die Hand geben und verschwindet tatsaechlich. Ich trete den geordneten Rueckzug an und baue mein Lager ein paar km weiter erneut auf. Adrenalin gehoert hoffentlich zu den verbotenen Dopingmitteln - auf jeden Fall haette ich nicht geglaubt nach dem Tag noch so schnell fahren zu koennen...

So, und jetzt bin ich nur gespannt, wie dieser bloede Dreckfresser aus der Waesche guckt, wenn er versucht etwas mit dem Geld zu kaufen - ich habe ihm einen meiner drei Gluecksbringer 5 DM (DM !!) Scheine angedreht. Und der ist auch noch markiert, der war mal als Geschenk aufgerollt und hat eine Perforation quer rueber, wo die Nadel durchgestochen war. Aetsch! Du Arschloch! Jetzt lieg ich im Zelt, hab endlich gegessen, und ausser brennender Fuesse und einer leicht geschwollenen Wange habe ich keinen Schaden genommen.

PS: Fuer alle, die mich ausrauben wollen. Mein Barvermoegen belaeuft sich auf 50Euro, einheimische Waehrung habe ich noch keine. Travellers cheques oder Kreditkarten bringen wohl nicht so viel...

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