2004-06-06

Finland

Es ist soweit, der Regen hat gerade eben aufgehoert. Zeit die wohlige 7C Waerme des Zeltes zu verlassen und sich gegen den eisigen Nordsturm zu werfen. Ich unterhalte mich noch ein bisschen mit den beiden Finnen Seppo und Ilmo, die mit ihren Familien und Wohnmobilen durch die Gegend gondeln, und kaempfe dann um jeden Kilometer. Die Baendchen an den Reisverschluessen meiner Jacke knattern, die Telefonleitungen neben der Strasse sirren und schnalzen und die Baeume neigen sich mir entgegen. Kurze Hagelschauer schiessen mir wie Schrot waagerecht ins Gesicht. Streckenweise hab ich sogar Spass daran ;-) aber ich waer jetzt trotzdem lieber auf nem Segelschiff als mich mit dem Fahrrad dagegen abzumuehen. Ordentliche Neigung und n paar Brecher ueber Deck hatte ich lange nicht mehr ;-)

Kittilae. Mein vorerst letzter grosser Versorgungsstop - ich bin jetzt loaded mit Futter fuer ein paar Tage. Es ist immer noch stuermisch bei 6C - die Finnen haben im Freien ihr sonntaegliches Fussballmatch. Der oertliche Campingplatz ist komplett desertiert, und das, obwohl der Beachvolleyballplatz und die Umkleiden am Fluss gerade frisch renoviert sind. Gut fuer mich, denn die geben mir Windschutz beim Essen. Merke: Daim Eis schmeckt zwar geil, ist bei so einem Wetter aber vielleicht doch nicht die ideale Nahrung - brr!

Meine Musiksammlung war vor meiner Abreise etwas hastig zusammengestellt (einfach ne mp3 Playlist auf n dutzend MDs uebertragen) und keine der minidiscs ist beschriftet. Deshalb bin ich damit an die Obst- und Gemuesewaage eines Supermarktes gegangen und nutze jetzt deren Aufkleber. Damit bin ich glaub ich der einzige Mensch weltweit, der so grandiose Bands wie "0,387kg Sipuli" kennt und hoert ;-)

Abends fallen einzelne Flocken von etwas aus dem Himmel, das mir verdaechtig wie Schnee aussieht. Beim Wassertanken unter einer Bruecke hoere ich ploetzlich merkwuerdige Geraeusche ueber mir. Es ist eine ganze Herde Rentiere, deren Leitbulle sich wohl ueberlegt hat statt der Furt doch lieber die Strasse zu nutzen. Autos fahren hier eh nicht und man spart sich die nassen Hufe.

Die ersten 40km der 9552 lege ich noch auf Schwarzdecke zurueck, dann gehts auf einspuriger Schotterpiste weiter. Der naechste Ort ist in 150km Entfernung ausgeschildert, in 2 Stunden begegne ich weder Autos, noch Menschen, noch Haeusern, nur einige Rentiere und Hasen kreuzen meinen Weg. Mein Lager schlage ich mitten am windexponierten Nordhang auf - bei 3C. Ich brauche das erste Mal die Sturmleinen. Aber da muss man halt Prioritaeten setzen und der Ausblick von hier oben ist einfach zu herrlich um hier nicht sein Lager aufzuschlagen. Immer wieder bricht die Wolkendecke auf und goldene Lichtfinger streichen ueber das huegelige Waldland. Dank des erholsamen Ruhetags im Zelt (im Gegensatz zu Hotel"ruhetagen", nach denen ich bisher immer fertiger war als vorher) schaffe ich trotz der widrigen Umstaende bei bester Laune ordentlich Kilometer weg. "Stormy wheather - stealin all my body heat" Ach nee, Tina Turner singt das irgendwie anders... ;-)

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